Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Die Amsterdamer Börse

Der Architekt Hendrick de Keyser ist der Erbauer der Koopmansbeurs von Amsterdam, die 1611 fertiggestellt wurde. Als Warenbörse war sie zu ihrer Zeit der wichtigste Umschlagplatz für Waren und Kapital in Europa.

Das imposante Gebäude befand sich südlich des Dam, die Amstel überbrückend. In dem rechteckigen, mit Säulen umgebenen Innenhof, kamen zu festgelegten Handelsstunden Händler und Kaufleute aus der ganzen Welt zusammen. Sie positionierten sich an den entsprechend nummerierten Säulen und Plätzen, die ihrem Handelsgut zugewiesen waren:

Säule Händler und Handelsware
2 + 3 hochdeutsche Juden mit Silber und Gold, gemünzt oder ungemünzt
4 + 5 Tabakhändler
6 + 7 transatlantische Waren aus Surinam, Curaçao, Westindien; Waren aus Schweden
8 - 11 Waren aus Spanien, Italien, Ägypten, Türkei, Kanarische Inseln
13 - 15 Seidenhändler; Waren aus Griechenland, Armenien, Persien
16 - 18 Grundstücksmakler, Großfinanciers; Waren aus Bilbao, Biscaya, Portugal
19 - 27 Gewürzhändler
28 - 30 Juwelenhändler, Obligationshändler
31 - 32 Grundstücksmakler
33 - 35 Leder-, Öl- und Seifenhändler
36 - 38 Wolle- und Lakenhändler
39 - 40 moskauische und baltische Händler
41 - 43 Händler für Tran und anderer Erzeugnissen des Walfangs
44 - 46 Reeder und Schiffhändler
in d. Mitte  Weinhändler,
  französische Händler, Kaufleute aus Hamburg und Bremen,
  Händler von Farbstoffen und Drogen,
  englische Händler und Schiffer,
  Baumwoll-, Leinen- und Papierhändler,
  Zuckerbäcker,
  Aktienhändler,
  portugiesische Juden.

Auf der den Innenhof umgebenden Galerie befanden sich noch über 100 kleine Läden, in denen allerhand nützliche Dinge angeboten wurden, wie z.B. Hüte und Spazierstöcke.1

Im Turm der Börse war für jeden Händler sichtbar eine Uhr installiert, die es ihm ermöglichte die zweistündige Öffnungszeit von 12 bis 14 Uhr effektiv zu nutzen. Die in Amsterdam herrschende Hektik machte das Wissen der genauen Uhrzeit zu einer dringlichen Notwendigkeit.

Geringe Mengen Handelsgut wurde eher in Gasthäusern und Hotels gehandelt. Neben verschiedenen anderen Handelsgütern versteigerten Auktionatoren z.B. in der Herberge Keysers Kroon2 in der Kalverstraat auch Wein und Brandwein.


1UFER, Ulrich: Welthandelszentrum Amsterdam, Globale Dynamik und modernes Leben im 17. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2008, Seiten 120 ff.
2Zur Jahreswende 1657/1658 wurde in der Herberge "Keysers Kroon" neben anderen persönlichen Gegenständen die Kupferstichsammlung von Rembrandt van Rijn versteigert.
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