Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Das Edikt von Fontainebleau

Ludwig XIV., der später den Beinamen Sonnenkönig erhielt, wurde im Alter von 4 Jahren König von Frankreich. Die Amtsgeschäfte übernahm er 1661. Seine aggressive Machtpolitik hatte die absolute Herrschaft über Staat und Kirche zum Ziel. Ein König, ein Glaube, ein Recht war seine Motivation.

Neben versteckten und offenen Verfolgungen und Schikanen gegen die Protestanten setzten seit 1681 die Dragonaden ein. Zwangskonvertierung und Abschwörung vom Ketzertum des Calvin sollten die geliebten und verirrten Untertanen wieder zur richtigen Religion bringen.

Schließlich erließ Ludwig XIV. am 18. Oktober 1685 das Edikt von Fontainebleau, indem er das Edikt seines Großvaters und alle darauffolgenden Bestimmungen für nichtig erklärte.

Seine Begründung:

So sehen Wir nun jetzt mit dem gerechten Danke, den Wir Gott schuldig sind, daß Unsere Sorgen das vorgesteckte Ziel erreicht haben, da ja der bessere und größere Teil Unserer Untertanen von der besagten vorgeblich reformierten Religion die katholische angenommen hat.1

Das Edikt ordnete an:

  • Die unverzügliche Zerstörung aller noch existierender protestantischer Tempel.
  • Ein Verbot von protestantischen Gottesdiensten, weder in Privathäusern noch anderswo.
  • Protestantische Pastoren, die sich nicht zum katholischen Glauben bekehren wollen, müssen innerhalb von 2 Wochen Frankreich verlassen; sofortiges Verbot der Ausübung ihres Amtes, bei Strafe der Galeeren.
  • Als Angebot für die Pastoren, die sich bekehren wollen: Steuerfreiheit, auch über den Tod hinaus für ihre Witwen; keine Einquartierungen; ein Jahresgehalt, das um ein Drittel höher als vorher ist und anteilig weitergezahlt wird an ihre Witwe.
    Außerdem: Umschulung zu Juristen ohne Studium; nur hälftige Studienabschlussgebühr.
  • Das Verbot aller protestantischen Schulen.
  • Die Taufe von Neugeborenen nur noch durch katholische Priester; Ermahnung, die Kinder zum Besuch der katholischen Kirche an zu halten; Erziehung in der katholischen Religion.
  • Gnädiges Angebot an diejenigen, die das Königreich schon verlassen haben: Wenn sie innerhalb von vier Monaten zurückkehren, Rückgabe und uneingeschränkter Nießnutz ihrer Güter. Anderenfalls Enteignung zu Gunsten des Staates.
  • Ausdrückliches Verbot der Auswanderung und Entfernung des Besitzes aus dem Königreich, bei Strafe der Galeeren für die Männer und Einziehung von Leib und Gut für die Frauen.
  • Protestanten können aber auch bleiben und ihren Handel fortsetzen, unter der Bedingung, dass sie keinen Gottesdienst oder Versammlung zur Ausübung des protestantischen Kultes besuchen werden.2

Diese Verordnung hatte zur Auswirkung, dass von den mehr als 800 protestantischen Predigern 681 das Land verließen, 140 konvertierten zum katholischen Glauben, einzelne leisteten Widerstand oder gingen in den Untergrund3.

Zu den des Landes verwiesenen Pastoren gehörte auch Pierre DEGEAC, der Schwager unseres Vorfahren, der nach Amsterdam auswanderte. Dort starb er 1697 im Alter von 57 Jahren.

1610 gab es noch 710 Temples in Frankreich, 590 davon wurden zwischen 1657 und 1685 zerstört, nach 1685 der Rest. Bis auf vier, die durch besondere Umstände erhalten blieben4.

Im Frühjahr nach der Veröffentlichung des Ediktes verließen etwa 160.000 Protestanten das Königreich. Das waren 20% der Reformierten Frankreichs, ca. 1% der Bevölkerung5.

Sie trennten sich trotz der Androhung schwerster Strafen von Besitz und Heimat, musste oft auch Angehörige zurücklassen. Ihre Kirchen waren zerstört, die Pastoren hatten das Land verlassen, ihre Schulen waren geschlossen, Kinder mussten katholisch getauft und erzogen werden. Sie suchten die Freiheit, ihren Glauben praktizieren zu können und wollten Arbeit und Handel ohne Einschränkungen ausüben.

Manchmal war die Flucht nur mit Fluchthelfern oder Schleusern möglich, manche wurden auf der Flucht erwischt und schwer bestraft, Männer zu lebenslanger Arbeit auf den Galeeren, Frauen wurden eingesperrt.


1Dt. Hugenottenverein (Hrsg.) / MENGIN, Ernst: Das Edikt von Nantes – Das Edikt von Fontainebleau, Flensburg: Gross 1963, S. 90.
2ibid., S. 89 ff.
3GRESCH, Eberhard: Die Hugenotten – Geschichte, Glaube und Wirkung, Ev. Verlagsanstalt: Leipzig  52015, S. 50.
4ibid., S. 48.
5ibid., S. 51.

Zum Weiterlesen
  Das Edikt von Fontainebleau, im Wortlaut (nach Ernst MENGIN, 1963), Hugenotten-Museum Bad Karlshafen.
  Edikt von Fontainebleau, auf der Website des Musée virtuel du Protestantisme (deutsch).
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