Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Familie DEGEAC

Am 14. April 1681 heirateten in Soubise die 29-jährige Anne DEGEAC und der 42-jährige Kaufmann Isaac BOURDEAUX im Beisein von Eltern, Geschwistern und Freunden, zwei Jahre nachdem Elizabeth SÉNAT, die zweite Ehefrau unseres Vorfahren, gestorben war.

Die Braut ist die um 12 Jahre jüngere Schwester des Pastors von Soubise, Pierre DEGEAC. Deren Vater Pierre DEGEAC ist königlicher Notar in Bourcefranc-le-Chapus, die Mutter ist Elizabeth THOMAS.

Der Trauung voraus ging die Beurkundung eines Ehevertrags durch Maitre Nicolas AUBIN, Königlicher Notar in Marennes, der schon 1637 den Ehevertrag der Eltern von Anne beurkundete. Das Dokument wurde am Nachmittag des 18. Februar 1681 im Haus des Seeschiffkapitäns Jacques DEGEAC in La Tremblade erstellt, einem Bruder der Braut.

Die DEGEAC werden seit mindestens 1560 im Gebiet Marennes erwähnt. Wir erfahren über einen Pierre DEGEAC, dass er am 2. April 1560 zusammen mit anderen Salzsumpfbesitzern ein Schiff mit 40 Tonnen Salz belädt, um es nach Neufundland zu schicken1. Zu dieser Zeit hatten die Eigentümer der Salzwiesen große Verluste wegen der Bürgerkriege. Sie waren gezwungen mit den Schiffern Charterverträge abzuschließen, in denen Sie Entschädigung garantierten, sollten die Boote als Priese genommen, geplündert oder beschädigt werden.

Dieser Pierre DEGEAC, Ältester des Konsistoriums von Marennes, wird 1570 zusammen mit den drei Brüdern de RABAR in einem Todesurteil erwähnt2. Ist es vollstreckt worden? Wurde Pierre zum Märtyrer?

In Zusammenhang mit dem Salzhandel erfahren wir 1575 auch von einem Kaufmann Ypolitte DEGEAC und einem Jacques DEGEAC als seinem Teilhaber und Gesellschafter3.

Alle diese drei in der Literatur gefundenen DEGEAC konnte ich genealogisch nicht zuordnen. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass der zum Tode verurteilte Pierre DEGEAC der gemeinsame Vorfahr auch unserer Linie ist, denn der Vorname Pierre wurde stets von Generation zu Generation weitergegeben, meistens an den ältesten Sohn.

Der älteste dokumentarisch nachweisbare DEGEAC ist der Großvater unserer Anne, der im Ehevertrag der Eltern erwähnt ist: Jacques DEGEAC, von 1613 bis 1634 Königlicher Notar in Bourcefranc-le-Chapus.

Erwähnenswert sind auch verschiedene Nachkommen eines Jacques DEGEAC, der ein Bruder von oben genanntem Notar Pierre ist, also einem Onkel unserer Anne.

Da ist zunächst Jacques Sohn Samuel, ein Marineoffizier. Er geriet um 1679, zwei Jahre nach seiner Heirat mit Anne DE LAROCHE, in die Hände muslimischer Korsaren, die als Kaperfahrer ihre Raubzüge im Mittelmeer und bis in den Atlantik hinein unternahmen und damit der christlichen Seefahrt immensen Schaden zufügten. Als Christen-Sklave landete Samuel daraufhin bei dem Tyrannen Mulai Ismail, Kaiser von Marokko, der durch seine unbeherrschte Art, seine unberechenbaren, willkürlichen Todesurteile und Foltermetoden als "Der Blutdürstige" bekannt wurde. Tausende Christen-Sklaven lebten unter erbärmlichen Umständen in Marokko und wurden zur Arbeit in den Bauprojekten des Sultans gezwungen. Nach 32 Jahren Gefangenschaft konnte Samuel 1711 im Alter von 60 Jahren ranzioniert werden und in seine Heimat zurückkehren4.

Abschließend folgen wir noch über mehrere Generationen einem kaufmännischen Zweig der Nachkommen bis zum 23. Dezember 1750, an dem der Urenkel von Notar Jacques geboren und am folgenden Tag auf den Namen Jean Isaac Noël DEGEAC in Saint-Sornin getauft wurde.

Jean Isaac Noël heiratete am 27. Juni 1785 in der Kirche Notre Dame in La Rochelle die Marie-Marguerite de CHASSELOUP-LAUBAT. Mehr Details zur Familie der Braut können über nebenstehenden Link abgerufen werden.

Sehr überraschte mich die Feststellung, dass sich nach dieser "adeligen" Heirat die Schreibweise des Familiennamens mehrheitlich von DEGEAC in de GEAC änderte.

Bis heute können wir Spuren der Familie DEGEAC in Marennes und Umgebung finden. Da existieren in der Avenue de Lattre de Tassigny vor dem Anwesen Nr. 17 der Stumpf einer Moulin de Géac und unweit davon die Rue de Géac. Weiter außerhalb im Mündungsbereich der Seudre vor der Insel Oléron im Gebiet Moulin de la Côte besaß die Familie bis ins 19. Jahrhundert Austernbänke5. Dort warnt heute das Seezeichen Balise de Geac vor Untiefen6.


1Bulletin de la Société des archives historiques de la Saintonge et de l'Aunis, Tome XV, 1895, Seite 122.
2ibid., Seite 1227.
3Bulletin de la Société des archives historiques de la Saintonge et de l'Aunis, Tome XXII, 1902, Seite 381.
4o. V.: Das Leben des blutdürstigen Tyrannen Muley Ismael, jetzt regierenden Kaysers von Marocco (Übersetzung von 1716).
5LAMBERT, Gustave & Louis: Tableau de l'ostréiculture française. In : Revue des Travaux de l'Institut des Pêches Maritimes, Seite 102.
6Präfektur Charente-Maritime: Erlass vom 31.06.2014, Seite 14.
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