Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Die Geschichte der Hugenotten

Ab 1523 beginnt sich auch in Frankreich durchzusetzen, was durch Martin Luther mit der Bekanntmachung seiner gegen den Ablasshandel der römischen Kirche gerichteten 95 Thesen in Bewegung gesetzt wurde. Dort breitete sich jedoch mehr und mehr die von Johannes Calvin geprägte Form des Protestantismus aus. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass Calvin als gebürtiger Franzose seinen Glaubensgenossen nicht nur sprachlich näherstand. Doch auch diejenigen, die nach der Plakataffäre 1534 das Land in Richtung Straßburg und Genf verlassen hatten, brachten die neue Religion mit zurück und förderten damit die Verbreitung des Protestantismus in Frankreich.

Im Königreich Deutschland, das in zahlreiche kleine, meist souveräne und unabhängige Herrschaftsgebiete zerfiel, konnte sich die Reformation fast problemlos ausbreiten. Die Landesherren, die sich dieser Bewegung angeschlossen hatten, stellten sich schützend vor ihre lutherischen Untertanen.

Anders in Frankreich. Das Königreich hatte sich zu einem absolutistischen Machtapparat entwickelt, in dem König und Kirche eine Einheit bildeten. So musste sich dort die Reformation von Beginn an gegen dieses Machtgefüge durchsetzen. Bald erkannten die Machthaber diesen unkontrollierbaren Aufbruch als Gefahr und setzen alles daran, die protestantische Bewegung nicht zu einem Staat im Staat werden zu lassen.

Der oberste Gerichtshof in Paris ordnete bereits 1524 an, dass die Lutherischen als Gotteslästerer zu bestrafen seien. Und auf Häresie stand die Todesstrafe durch verbrennen auf dem Scheiterhaufen.

In vielen Gegenden Frankreichs, in der Saintonge, dem Gebiet aus dem unsere Vorfahren abstammen, ab 1544, breitete sich trotz des zunehmenden Wiederstands der Protestantismus rasch aus. Man traf sich zu Predigten und Gebet im Geheimen, Pastoren blieben nie lange an einem Ort, waren ständig unterwegs. Viele wurden trotzdem ein Opfer der Verfolgung.

Bernhard Palissy, ein Augenzeuge, der sich 1543 in Saintes niedergelassen hatte, berichtete von dort:

Im Jahre 1546 erlebte man, dass Mönche, die Bücher über jene Lehren gelesen hatten, sich erkühnten, freimütig Übelstände anzuprangern.
Das blieb den katholischen Geistlichen natürlich nicht verborgen und die Mönche mussten sich in Sicherheit bringen, weil sie befürchteten, man würde sie sonst vor Hitze umzukommen lassen.
Die einen erlernten ein Handwerk, die anderen wurden Dorflehrer. Da die Inseln Oléron, Marennes und Allevert abseits der großen Straßen liegen, ließen sich viele Mönche auf diesen Inseln nieder.1

Bald erkannte der Staat, dass seine Maßnahmen nicht ausreichten, die rasant wachsende Zahl der Protestanten zu kontrollieren und erließ immer strengere Verordnungen. Bücher durften nur noch mit Genehmigung der theologischen Fakultät der Universität Paris gedruckt werden, Diskussionen über religiöse Themen im öffentlichen wie im privaten Bereich wurden verboten. Schließlich drohte allen der Häresie überführten die Todesstrafe.

So entschieden sich auch die Protestanten zu den Waffen zu greifen. Frankreich spaltete sich für mehr als 30 Jahre in sich gegenseitig blutig bekämpfende Parteien. Die konfessionell begründeten Kriege wurden bald zu politische Kriege. In die Geschichtsschreibung sind sie als Hugenottenkriege oder Religionskriege (1562-1598) eingegangen.

Zeitweise konnte das Königshaus vermittelnd einschreiten. Edikte regelten mehr oder weniger erfolgreich das Miteinander. Schließlich sollte das Edikt von Nantes, gegeben am 13. April 1598 von Heinrich IV., als Gnadenedikt für einen längeren Zeitraum mehr Ruhe im Königreich Frankreich stiften.

Nach der Ermordung von Heinrich IV. 1610 folgte sein noch minderjähriger Sohn Ludwig XIII. auf den Thron. Bis zu seinem 16. Lebensjahr 1617 führte seine Mutter Maria de Medici die Regierungsgeschäfte. Auch wenn er das Edikt seines Vaters bestätigte, wurden die Einschränkungen für die Protestanten immer deutlicher. Die Streitereien steigerten sich erneut bis zur bewaffneten Auseinandersetzungen.

Die militärische Protestanten-Hochburg La Rochelle kapitulierte am 28. Oktober 1628 nach über einjähriger Belagerung. Daraufhin wurden den Protestanten alle Privilegien, die ihnen 1598 im Edikt von Nantes gewährt wurden, genommen und sie mussten ihre 38 Sicherheitsplätze aufgeben. Einzig die freie Ausübung ihres Glaubens war noch gestattet. Ludwig XIII. bestätigte dies im Gnadenedikt von Alès, das der König im Anschluss von grausamen Auseinandersetzungen im Rohnetal und in den Cevennen im Juni 1629 unterzeichnete.

Als Ludwig XIV. 1643 die Krone Frankreichs übernommen hatte, dauerte es nicht lange, bis er mit immer neuen Dekreten die wenigen Vergünstigungen, die den Protestanten noch zugestanden waren, immer weiter einschränkte. Sein Einsatz für eine einheitliche katholische Religion in seinem Königreich gipfelte in den Dragonaden, die ca. 1681 massiv einsetzten.

Bald wurde dem König suggeriert, dass seine Untertanen nun mehrheitlich Katholiken seien, was ihn zur Aufhebung des Gnadenedikts von Nantes veranlasste, es gab ja keine zu schützende protestantische Untertanen mehr. Der protestantische Glauben wurde verboten, harte Strafen für Unbeugsame angeordnet und die Auswanderung untersagt.

Dennoch verließen nach 1685 nochmals etwa 160.000 französische Protestanten das Königreich, um Schutz in aufnahmefreundlichen Ländern zu suchen. Darunter auch unsere Vorfahren!

Erst im Jahr 1789 mit der Erklärung der Menschenrechte gelangten die Protestanten in Frankreich nach mehr als 250 Jahren zu Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung.

Ein Dekret von 1790 regelte die Rückgabe der enteigneten Güter von Glaubensflüchtlingen, selbst deren Nachkommen konnten noch bis 1927 die Wiedereinbürgerung beantragen, wenn sie den Bürgereid leisteten2.

Heute bekennen sich ca. 3% der Franzosen zur protestantischen Kirche3.


1COUDY, Julien: Die Hugenottenkriege in Augenzeugenberichten, Düsseldorf: Karl Rauch 1965, S. 37.
2GRESCH, Eberhard: Die Hugenotten – Geschichte, Glaube und Wirkung, Ev. Verlagsanstalt: Leipzig  52015, S. 56.
3ibid., S. 58.
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