Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Das Hugenottenkreuz

Wie und wann das Hugenottenkreuz entstanden ist, lässt sich nicht genau festlegen.

Antoine Valette de Travessac1, auch als Abbé Valette bekannt, war katholischer Pfarrer in Bernis und Schriftsteller. Er erklärte 1758 in seinem Werk Histoire des troubles des Cévennes 2, dass der Goldschmied Maystre aus Nîmes um 1688, drei Jahre nach Aufhebung des Edikts von Nantes, dieses Erkennungszeichen der Reformierten in Frankreich entworfen habe. Dieses Manuskript scheint die älteste Quelle zu sein, die Auskunft über die Entstehung des Hugenottenkreuzes gibt.

Eine Legende ergänzt, dass dieser Goldschmied bei der Verhaftung von vier jungen Pastoren in der Nähe von Lyon Zeuge wurde. Trotz Kerker und Folter leugneten die jungen Protestanten ihren Glauben nicht und landeten auf dem Scheiterhaufen. M. Maystre war beeindruckt von dem Glaubensmut und der Standhaftigkeit der Männer und schloss sich daraufhin der reformierten Kirche an.

Besonders die protestantischen Frauen der Cevennen waren begeistert von diesem Symbol und trugen gerne das hübsche Schmuckstück anstelle eines Kreuzes an einer Kette um den Hals.

Das Hugenottenkreuz geht auf die Form des Malteserkreuzes zurück. Es hat starke Ähnlichkeit mit dem Ordre du Saint-Esprit, der 1353 als Ritterorden gegründet und von Heinrich III. 1578 wieder eingesetzt wurde. Mehrere andere Orden könnten noch beispielhaft angeführt werden.

Was symbolisiert das Hugenottenkreuz?

Die vier Dreiecke, die wie ein Kreuz von einer gemeinsamen Mitte ausgehen, versinnbildlichen die vier Evangelien, deren Mittelpunkt Jesus Christus ist.

Jede äußere Spitze der Dreiecke endet in einem Kügelchen und weist damit auf die acht Seligpreisungen der Bergpredigt in der Bibel hin.

Die Lilien in den Kreuzwinkeln, Fleur de Lis genannt, finden sich in den Wappen des bourbonischen Hochadels wieder. Sie sollen die Verbundenheit der Hugenotten mit ihrem Land bekunden und werden auch als Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber ihrer politischen Führer während der Religionskriege verstanden.

Durch das Einfügen der Französischen Lilie in die Kreuzwinkel bildet sich ein Zwischenraum, der wie ein offenes Herz aussieht. Mancher erkennt darin ein Symbol für die Loyalität und Verbundenheit mit dem französischen Reformator Johannes Calvin. Aber auch andere Interpretationen sind bekannt.

Sehr bald nach der Entstehung des Hugenottenkreuzes wurde es um einen Anhänger ergänzt. Sowohl eine herabfliegende Taube wie auch ein tropfenförmiger Gegenstand sind gebräuchlich. Abbé Valette merkt in oben bereits erwähntem Manuskript an, dass als Anhänger die Taube vor dem Tropfen gebräuchlich war.

Die Taube als Zeichen für den Heiligen Geist findet Anlehnung an die Begebenheit bei der Taufe Jesu, wie sie die Bibel beschreibt.

Auch in einer französischen Legende spielt die Taube als Symbol für den Heiligen Geist eine wichtige Rolle. Als Clovis sich zum katholischen Glauben bekehrte, sollte er in der Kathedrale von Reims getauft und mit dem Crisam gesalbt werden. Das Gedränge in der Kathedrale war dabei so groß, dass der Bischof nicht an den Aufbewahrungsort des Salböls kommen konnte. Da öffnete sich der Himmel und eine Taube mit der Sainte Ampoule im Schnabel schwebte herab, die Salbung konnte vollzogen werde.

Die nach unten fliegende Taube mit ausgebreiteten Flügeln ist eine typische Darstellungsform bei der Schmuckherstellung. So erscheint sie im Orden des Heiligen Geistes in der Mitte des Kreuzes und eben auch als Anhänger am Hugenottenkreuz.

Die zweite Form, dieser birnen- oder tropfenförmige Anhänger, wird definiert als ein Gegenstand, der im Süden Frankreichs, wo das Kreuz ja entstanden ist, mit dem okzitanischen Wort trissou bezeichnet wird. Dieser "Stößel", er dient zum zerstampfen von Materialien in einem Mörser, soll daran erinnern, dass die Reformation in Frankreich wie das Salz in einem Mörser zerstoßen wurde, ohne dabei an Kraft und Würze verloren zu haben.

Andere Interpretationen sehen darin eine Träne oder, in Verbindung mit der Taube, die Heilige Ampulle, die zur Aufbewahrung des Salböls für die französischen Könige dient.

Das Hugenottenkreuz, viele nennen es einfach nur Saint Esprit, ist auch heute noch das Erkennungszeichen der reformierten Christen und wird gerne zu besonderen Anlässen vorwiegend von Nachkommen der Hugenotten in der ganzen Welt getragen.

Wenn Sie sich für den Kauf eines Hugenottenkreuzes als Anstecknadel oder als Anhänger interessieren, dann können Sie sich z.B. an die Deutsche Hugenotten-Gesellschaft wenden.


1Abbé Valette wurde 1712 in Nîmes geboren und ist nach 1758 gestorben. URL: https://www.museeprotestant.org (Stand: 10.02.2018).
2Manuskript (2 Bände) von 1758, nachgewiesen in der Bibliothek von Nîmes.
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