Die Geschichte der Bourdeaux-Familie

Hugenottenkriege und Edikte

Auf dieser Seite möchte ich eine kurze Übersicht der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der protestantischen und der königlichen-katholischen Partei geben.

Vorausgegangen waren Versuche ein gedeihliches Miteinander zu erreichen, was zum Januar-Edikt vom 17.01.1562 im Anschluss an das Religionsgespräch von Poissy 1561 führte. Darin ist den Reformierten Duldung garantiert und freie Religionsausübung außerhalb der Städte gestattet.

Die katholische Gegenpartei wollte das nicht akzeptieren und provozierte weiter. Es kam zu blutigen Übergriffen (Blutbad von Vassy), sodass eine Auseinandersetzung unter Waffen unausweichlich erschien. Die Protestanten begannen sich zu wehren.

1. Hugenottenkrieg 1562-1563
Beendet mit dem Edikt von Amboise vom 19.03.1563.
Öffentliche protestantische Gottesdienste wurden nur an den Orten, die sich zu diesem Zeitpunkt in den Händen der Hugenotten befanden, erlaubt, ansonsten nur Hausgottesdienste; das Abhalten von Synoden verboten.

2. Hugenottenkrieg 1567-1568
Beendet durch den Frieden von Longjumeau (Edikt von Paris) am 23.03.1568.
Mit Unterstützung durch Pfalzgraf Johann Kasimir fiel dieser Krieg zugunsten der Hugenotten aus.

3. Hugenottenkrieg 1568-1570
Beendet mit dem Edikt von Saint-Germain-en-Laye vom August 1570.
Auslöser war, dass Katharina von Medici den letzten Friedensvertrag aufhob und die Ausübung des reformierten Glaubens bei Todesstrafe verbot.
Durch den neuen Friedensvertrag wurde den Protestanten die Gottesdienstausübung an bestimmten Plätzen zugesichert, Übernahme von öffentlichen Ämtern ermöglicht und eine Amnestie zugesprochen. Als Sicherheitsplätze waren die Städte La Rochelle, Cognac, La Charité und Montauban zugestanden.
Am frühen Morgen des 24. August 1572 wurden auf Anweisung von Katharina von Medici, Mutter des Königs, die hugenottische Führungsschicht niedergemetzelt. Das Pogrom der Bartholomäusnacht ging als Pariser Bluthochzeit in die Geschichte ein und forderte 2.000 bis 3.000 Opfer auf beiden Seiten. Und das Morden brachte in der Provinz während der darauf folgenden Tage noch weitere Opfer.

Papst Gregor XIII. zeigte seine Zufriedenheit über diese Vorfälle, indem er ein Te Deum singen und eine Gedenkmünze prägen lies.

4. Hugenottenkrieg 1572-1573
Beendet mit dem Edikt von Boulogne vom 06.07.1573.
Auslöser war der Versuch vom französischen König Karl IX. La Rochelle zu erobern, was misslang.
In genanntem Edikt wurde den Reformierten die öffentliche Religionsausübung in La Rochelle, Montauban und Nîmes, sowie Hausgottesdienste erlaubt.

5. Hugenottenkrieg 1574-1576
Beendet mit dem Frieden von Beaulieu am 06.05.1576.
Gottesdienste in allen im Besitz befindlichen Städten der Reformierten, Abhaltung von Synoden wurden erlaubt und 9 Sicherheitsplätze gegeben.
Die Heilige Liga wird zum Zweck der Ausrottung der Reformation gegründet.

6. Hugenottenkrieg April - September 1577
Beendet durch den Frieden von Bergerac am 17.09.1577.
Keine Veränderungen. Später wurden sogar 5 weitere Sicherheitsplätze zugesprochen, um eine versöhnliche Stimmung zu erzeugen.

7. Hugenottenkrieg 1579-1580
Beendet durch den Frieden von Fleix am 26.11.1580.
Die politische Lage spitzte sich zu, als nach dem Tod des Bruders des Königs der protestantische Heinrich von Navara als Thronfolger nachrückte. Das alarmierte die katholische Liga, die König Heinrich III. 1585 zum Edikt von Nemour zwingt. Darin wird unter Androhung der Todesstrafe der protestantische Gottesdient verboten, alle Protestanten wurden aufgefordert, ihrem Glauben innerhalb von einem Monat abzuschwören oder das Land zu verlassen.

8. Hugenottenkrieg 1586-1598
Heinrich III., der sich nach Auseinandersetzungen mit der immer mächtiger werdenden Liga mit Heinrich von Navara verbunden hatte, zog mit einem gemeinsamen Heer vor Paris auf, wurde dort aber am 01.08.1589 ermordet. Damit rückte der Protestant Heinrich von Navara als König von Frankreich nach. Damit ihn die ihm nicht freundlich gesinnte Liga anerkennt, konvertierte er zum katholischen Glauben.
Um endlich Frieden in seinem kriegsmüden Königreich zu haben erließ er am 13.04.1598 das Edikt von Nantes. Darin wird den Hugenotten Glaubensfreiheit garantiert und ihnen zahlreiche Sicherheitsplätze garantiert.
Sein Nachfolger König Ludwig XIII. bestätigte zwar das Edikt von Nantes, versuchte aber trotzdem gewaltsam den katholischen Glauben mit Kriegszügen durchzusetzen.

9. Hugenottenkrieg 1621-1622
Beendet durch den Frieden von Montpellier am 16.10.1622.
Bestätigung des Edikts von Nantes, Abhalten von Synoden wird erlaubt, als Sicherheitsplätze bleiben Montauban und La Rochelle.

10. Hugenottenkrieg 1625-1629
Kardinal Richelieu wird leitender Minister und macht sich die Ausrottung des protestantischen "Staates im Staat" zur Aufgabe. Der Waffenstillstand von La Rochelle (06.02.1626) bringt keine Ruhe, England mischt sich erfolglos ein (Landung auf der Insel Ré, Verlust von 8.000 Mann).
La Rochelle wird 11 Monate und 3 Tage belagert und muss sich am 28.10.1628 völlig ausgehungert ergeben. Moralisch geschwächt müssen die Hugenotten sich gefallen lassen, dass sie mehr und mehr der Willkür der despotischen Herrscher ausgeliefert sind.
Im Gnadenfrieden von Alais 1629 bestätigt Ludwig XIII. die Glaubensfreiheit für die Protestanten nach dem Edikt von Nantes, aber alle Sicherheitsplätze sind verloren.

Damit war die politische Macht der Protestanten endgültig gebrochen.

1643 wurde Ludwig XIV. König von Frankreich. Kardinal Mazarin hatte die Aufgabe als regierender Minister von Richelieu übernommen. Obwohl Ludwig XIV. überall verlauten ließ, dass er sich an das Edikt von Nantes halten werde, schränkte er nach und nach die Freiheiten der Protestanten durch neue Gesetze ein. Der Höhepunkt seiner Unterdrückungspolitik gipfelte in den Dragonaden, die hundertausende Protestanten zur Abschwörung ihres Glaubens veranlassten.

Schließlich hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes am 18. Oktober 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau auf.


Als Quelle für die oben aufgeführte Zusammenstellung habe ich herangezogen:
  COUDY, Julien: Die Hugenottenkriege in Augenzeugenberichten, Düsseldorf: Rauch 1665, S. 371-379.
  (Im Anhang dieses ausgezeichneten Buches findet sich u.a. eine Zusammenfassung von Ernst Mengin).

Zum Weiterlesen
 (franz) Online Edition der École des Chartes zum Edikt von Nantes und den vorangegangenen Edikten.
 (deutsch) Musée virtuel du Protestantisme zum Thema Hugenottenkriege.
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